Kölner Freiwilligen Agentur e.V. Kölner Freiwilligen Agentur e.V.
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Demenzkrank und doch mitten im Leben

Die Kölner Freiwilligen Agentur e. V. startete eine Lokale Allianz für Menschen mit Demenz in Zollstock. Das Projekt richtet sich an Personengruppen, die im Alltag Demenzkranker eine wichtige Rolle spielen.   

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben - das wünschen sich die meisten Senioren. Allerdings wächst mit zunehmendem Alter das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Jeder vierte Mensch zwischen 85 und 89 Jahren, so hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. ermittelt, leidet an demenziellen Störungen.  Zu den typischen Folgen der Krankheit zählen u. a. Einschränkungen der Gedächtnisleistungen, des Denk- und Urteilsvermögens, der Orientierungsfähigkeit und des Sprachvermögens.

Erschwerend kommt für viele Betroffene hinzu, dass sie allein leben. In über 40 Prozent der Singlehaushalte in Deutschland wohnen Menschen, die älter als 60 Jahre sind. In dieser Lebenssituation stellt eine Demenzerkrankung eine besonders große Herausforderung dar. Der Umzug in ein Pflegeheim ist dann nur zu vermeiden, wenn die Betroffenen über ein stabiles soziales Netzwerk verfügen. Das heißt, wenn genügend Menschen aus dem direkten Umfeld bereit sind, sie bei der Bewältigung ihres Alltags zu unterstützen.

An diesem Punkt setzt das Projekt der Kölner Freiwilligen Agentur e. V. an. Ausgehend von der Frage „Was können wir tun, um das Leben Demenzkanker in ihrem Stadtteil zu verbessern?“ hat der Verein eine Initiative gestartet, die Außenstehenden Mut machen soll, aktiv auf Menschen mit Demenz zuzugehen.

Über Kompetenz auf dem Gebiet der demenziellen Erkrankungen verfügt die Kölner Freiwilligen Agentur durch den Besuchsdienst DUO. Gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund schult und vermittelt der Verein dabei freiwillige Helfer, die Menschen mit Demenz in ihrer häuslichen Umgebung betreuen.

 
Das soziale Umfeld bemerkt Veränderungen als Erstes
Aktionsgebiet des Projekts, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, ist der Stadtteil Zollstock. Da hier überdurchschnittlich viele Singles über 60 Jahre leben, ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Anteil von ihnen demenziell erkrankt ist, bzw. in absehbarer Zeit erkranken wird.

Auf den Hilfebedarf dieser Menschen will die „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz in Zollstock“ durch eine Informationsoffensive aufmerksam machen. Konkret richteten sich die Projektmacher dabei an Personen, die aufgrund ihres Berufs häufig in Kontakt mit Demenzkranken kommen. Hierzu zählen z. B. die Allgemeinmediziner und Apotheker ebenso wie die Einzelhändler, Gewerbetreibenden und die Mitarbeiter der Geldinstitute.

„Angehörige dieser Berufsgruppen sind wichtige Kontaktpersonen für Senioren“, erläutert Projektleiterin Corinna Goos. „Besonders für allein lebende Senioren sind sie häufig die einzigen Menschen, die sie regelmäßig treffen. Deshalb sind diese Kontakte so wertvoll. Denn gerade die Personen aus dem direkten Umfeld sind oft  diejenigen, die als erste bemerken, dass gewohnte Abläufe nicht mehr funktionieren. Zum Beispiel der Lebensmittelverkäufer, der beobachtet, dass eine Kundin plötzlich ratlos vor den Regalen steht, weil sie vergessen hat, was sie besorgen wollte. Oder die Mitarbeiterin des Geldinstituts, der auffällt, dass ein langjähriger Kunde neuerdings ungewöhnlich häufig hohe Beträge von seinem Konto abhebt.“
 
Helfen – aber wie?
Allerdings, so die Erfahrung der Projektinitiatoren, mündet die Erkenntnis, dass hier ein älterer Mensch möglicherweise Hilfe benötigt, häufig in Ratlosigkeit.  
„Viele Menschen haben keine Erfahrung im Umgang mit Demenzkranken“, so Goos. Sie würden gerne helfen, wissen aber nicht, wie. Diese Bereitschaft möchten wir durch die `Lokale Allianz´ fördern. Konkret heißt das, dass wir auf unsere Zielgruppen  zugehen und ihnen individuelle, auf ihren Berufsalltag abgestimmte Informationsveranstaltungen anbieten.“

Besonders wichtig ist den Initiatoren, dass die Teilnehmer neben einem Basiswissen zum Krankheitsbild auch etwas über weitergehende Unterstützungsmöglichkeiten erfahren. Denn tatsächlich zählt Köln zu den Städten, in denen Demenzkranken und ihren Mitmenschen ein gut ausgebautes Netz an Beratungsstellen und Initiativen zur Verfügung steht. Hierzu zählen u. a.  die Angebote der Stadt Köln, die Seniorenberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände, die Seniorennetzwerke, die gerontopsychiatrischen Beratungsstellen und nicht zuletzt der Besuchsdienst DUO der Kölner Freiwilligen Agentur.

„Die Nutzung dieser Anlaufstellen steht jedem Mitbürger offen“, erklärt Rita Braun, bei der „Lokalen Allianz“ zuständig für den Bereich Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit. „Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass diese Angebote in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind. Wir möchten die Teilnehmer unserer Workshops ermutigen, sich an diese Stellen zu wenden, wenn sie Fragen zu Thema Demenz haben oder in einem konkreten Fall helfen wollen. Auf diese Weise werden sie Teil eines nachbarschaftlichen Netzwerks, das Menschen mit Demenz auffängt und ihnen ein Weiterleben in der Mitte der Gesellschaft ermöglicht.“
 
Kontakt
Rita Braun
Lokale Allianz für Menschen mit Demenz in Zollstock
Koordination und Öffentlichkeitsarbeit
rita.braun@koeln-freiwillig.de
 
 

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