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Erfahrungen einer Verkehrsinitiative in Nippes

Robert Spieß gründete mit anderen engagierten Bewohnern des Clouth-Quartiers eine Verkehrsgruppe

Vor ungefähr zwei Jahren bin ich in das Clouth-Quartier gezogen, ein Neubaugebiet in Köln-Nippes. Ein Neubaugebiet, wo sich insbesondere viele junge Familien angesiedelt haben.

Umso mehr hat es mich verwundert bis erschreckt, dass so viele Autos mit überhöhter Geschwindigkeit durch das Viertel gefahren sind. Zwar ist das gesamte Viertel mit Tempo 30 geschwindigkeitsbeschränkt, aber da wurde sich selten darangehalten. Und unbegreiflicherweise waren auch sehr viele Autofahrer dabei, die selbst in diesem Viertel wohnen.

Also habe ich, mit anderen engagierten Bewohnern zusammen, eine Verkehrsgruppe gegründet. Wir wollten uns für mehr Sicherheit im Verkehr in unserem Viertel einsetzen. Dabei wollten wir auf Behörden und Planer einwirken und auch versuchen, über öffentliche Medien auf uns aufmerksam zu machen.

Unseren ersten Ansprechpartner fanden wir in der Gesellschaft, die die Projektentwicklung für das Quartier macht, die moderne stadt GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln und der Stadtwerke. Dort war man gesprächsbereit und selbst daran interessiert, dass in dem neuen Baugebiet eine vernünftige Verkehrsplanung erfolgt. Wir hatten mehrere Gespräche mit engagierten Mitarbeitern dort, und schon bald wurden Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung umgesetzt. Es wurden nachträglich noch Hindernisse angebracht auf der Straße, auf der am Schnellsten gefahren wurde. Das zeigte sofortige Wirkung, auf dieser Straße wird jetzt deutlich langsamer gefahren.

Auch der Wunsch vieler Bewohner aus dem Quartier nach mehr öffentlichen Fahrradständern wurde nachträglich noch umgesetzt: es gibt jetzt viel mehr sogenannter Fahrradnadeln in dem Quartier als vorher.

Das alles passierte mit Zustimmung und in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln in den entsprechenden Planungsämtern.

(Bemerkenswert dabei ist: die genannten Mitarbeiter mussten einiges an Beschwerden ertragen, die von anderen Bewohnern aus dem Viertel kamen. Man hat sich wohl kräftig beschwert darüber, dass man jetzt nicht mehr so flüssig Auto fahren kann und dass einige Parkplätze zu Gunsten der Fahrradständer weggefallen sind. Toll, dass die Mitarbeiter der moderne stadt GmbH und der Ämter dabei standhaft geblieben sind.

Tatsächlich, so haben Mitarbeiter uns erzählt, weiß man nie genau, wo die Bürger eigentlich stehen. Vertreten diejenigen die allgemeine Meinung, die sich am lautesten beschweren?)

Tatsächlich konnten wir Dank o.g. Unterstützung noch mehr erreichen, z.B. Halteverbotsschilder in kritischen Straßenabschnitten oder Verbesserungsmaßnahmen bei schlecht einsehbaren Einmündungen. Leider konnten wir nicht alles durchsetzen. Manchmal wurden unsere Wünsche und Forderungen auch, trotz prinzipiellen Wohlwollen, abgelehnt mit der Begründung, dass die bisherigen Maßnahmen reichen.

Schwerer wurde es, als wir dann auch Maßnahmen zur Gefahrenreduzierung an einer unübersichtlichen Ampel (Xantener Str./ Nähe Kretzerstr.) wollten, die morgens auch viele Schulkinder überqueren. (Diese Ampel stammte noch aus Zeiten, als noch kein Wohngebiet, sondern ein in sich geschlossenes Industriegelände dort stand.) Dies ist kein Neubau, sondern Bestand und dort ist die Stadt Köln selbst zuständig. Deshalb hatten wir z.B. um ein Gespräch mit der zuständigen Abteilungsleiterin gebeten, die uns freundlicherweise besuchte (mit dem Fahrrad!).

Mit der Stadt Köln ist es deutlich schwerer, Änderungen zu erreichen. Es müssen immer viele Gremien eingeschaltet werden, so z.B. wenn man eine neue Bodenmarkierung möchte.

Immer wieder bekamen wir Aussagen zu hören wie z.B. das macht man heute nicht mehr (Umbau der Ampel, Bodenschwellen, …) Weiterhin gebe es in Köln viel problematischere Stellen, um die man sich vordringlich kümmern müsse.

Es wurde uns mehrfach bestätigt, dass jahrzehntelang in Köln verkehrstechnisch nur das Notwendigste gemacht wurde. Jetzt, wo so viele Menschen nach Köln kommen und so viel gebaut wird, kommt man verkehrstechnisch kaum hinterher.

Für uns bedeutet das, dass wir bei der Stadt Köln weniger durch die direkte Ansprache erreichen als wir das anfangs konnten. Uns wurde mehrfach geraten, verstärkt über die lokale Politik zu gehen. Das wird für uns jetzt der zukünftige Weg sein.

(Eine interessante Aussage haben wir aufgeschnappt: Die lokale Politik sei mitunter weniger mutig als die Bürger. Es gibt immer noch Parteien, die sich sehr stark für einen autodominierten Verkehr aussprechen und dadurch hatten alle halbwegs fortschrittlichen Gedanken bislang wenig Chancen.)

Verfasst von Robert Spieß

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