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Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025 – Das erste Pilotbeteiligungsverfahren ist weitgehend abgeschlossen

Das erste Pilotbeteiligungsverfahren, mit dem die Leitlinien zur systematischen Öffentlichkeitsbeteiligung in Köln erprobt werden sollen, ist weitgehend abgeschlossen: Die Erhebung von zukünftigen Nutzungsvorstellungen für die Kölner Friedhöfe für ein umfassenderes Konzeptes „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ des Arbeitskreis Friedhof Köln. (Mitglieder des Arbeitskreises sind: Stadt Köln,  Bestatterverband Köln, Genossenschaft der Friedhofsgärtner, Steinmetzinnung Köln, Floristenverband, Katholische Kirche und Evangelische Kirche) Am 30. September 2019 fand der Beteiligungsprozess seinen Abschluss mit einer öffentlichen Bürgerveranstaltung, in der die Beteiligungsergebnisse gebündelt vorgestellt wurden, ebenso wie die Schlussfolgerungen, die der Arbeitskreis daraus gezogen hat.

Anlass

Warum Nutzungsvorstellungen für die Zukunft erheben? Die Bestattungs- und Friedhofskultur hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Mittlerweile lassen sich fast 70 Prozent der Verstorbenen kremieren und in einer Urne bestatten. Es werden Flächen auf Friedhöfen frei, Einnahmen sinken, neue Bestattungsformen entwickeln sich und die Friedhöfe bekommen Konkurrenz von privaten Anbietern. Die Stadt Köln und der Arbeitskreis Friedhof haben auf diese Herausforderungen mit der Entwicklung eines Konzeptes „Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ reagiert.

In die Erarbeitung dieses (insgesamt umfassenderen) Konzeptes sollten möglichst viele Perspektiven aus der Stadtgesellschaft einfließen können. Zu diesem Zweck sollte eine für das Anliegen passende Bürger- bzw. Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt werden. Der Ratsausschuss „Umwelt und Grün“ fasste am 21. März 2019 dazu folgenden Beschluss:

„1. Der Ausschuss für Umwelt und Grün nimmt den aktuellen Entwurf des Konzeptes ‚Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ des Arbeitskreises Friedhof […] zur Kenntnis. Zur Fortschreibung und Fertigstellung des Konzeptes ist hinsichtlich der aktuellen Nutzungswünsche der Friedhofsbesucherinnen und –besucher eine intensive Öffentlichkeitsbeteiligung zur zukünftigen Ausrichtung der städtischen Friedhöfe in Köln vorgesehen.

2. Der Ausschuss für Umwelt und Grün beschließt die Durchführung einer Öffentlichkeitsbeteiligung […]. Die Ergebnisse werden in das Konzept ‚Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025“ aufgenommen. Das so ergänzte Konzept wird dem Ausschuss für Umwelt und Grün voraussichtlich im 4. Quartal 2019 zur Beschlussfassung vorgelegt.“

Beteiligungsverfahren

Mit dem Beteiligungsverfahren sollten

  1. möglichst vielfältige Ideen für mögliche zukünftige Nutzungen der Kölner Friedhöfe erhoben und
  2. frühzeitig Hinweise auf mögliche Nutzungs- oder Interessenskonflikte identifiziert werden.

Nach den Nutzungsideen wie nach möglichen Konfliktpunkten wurde offen gefragt. Das heißt, vonseiten des Arbeitskreises bzw. der Fachverwaltung (Amt für Landschaftspflege und Grünflächen) wurden keine möglichen Nutzungsideen vorgegeben. Dies machte es einerseits Befragten in der ersten Erhebungsphase erst einmal nicht so leicht, überhaupt eigene Vorstellungen zu entwickeln (was aber letztendlich meistens gelang). Andererseits wurde von kritischen Menschen angezweifelt, ob es nicht doch schon heimlich fertige Nutzungsvorstellungen vonseiten der Stadt gibt (was nicht der Fall war).

Für das gesamte Beteiligungsverfahren wurde nicht auf die Beteiligung einer großen Anzahl wert gelegt, sondern auf eine möglichst breite Vielfalt der Perspektiven, mit denen die Friedhöfe und eine mögliche erweiterte Nutzung betrachtet werden.

Letztendlich wurden in drei Beteiligungsphasen aus verschiedenen Perspektiven zahlreiche Nutzungsideen und auch Hinweise auf mögliche Konflikte zusammengetragen:

In der ersten Phase wurden an zwei Sonntagnachmittagen Besucherinnen und Besucher der Friedhöfe in Köln-Holweide bzw. Köln-Junkersdorf nach ihren Vorstellungen und Vorschlägen befragt. Außerdem wurden gezielt verschiedene „Perspektivengruppen“ zur Begehung unterschiedliche Friedhöfe eingeladen und zu ihren Ideen und Bedenken befragt: „Nachbarschaft eines Friedhofs“ (Nordfriedhof), „FreizeitsportlerInnen“ (Nordfriedhof), „Kinder und Jugendliche“ (Friedhof Porz), „SeniorInnen“ (Friedhof Mülheim – leider ist es hier nicht gelungen, Seniorengruppen zur Teilnahme zu bewegen, was aber durch die Sonntagsbefragungen recht gut kompensiert werden konnte), „Kulturschaffende“ (Südfriedhof), „Ökologie – Umwelt – Natur- und Tierschutz“ (Friedhof Porz-Leidenhausen) und „Religionsgemeinschaften“ (Westfriedhof).

Konzipiert, organisiert und durchgeführt wurde diese Phase vom stadtgesellschaftlichen Teil des Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung / Kölner Freiwilligen Agentur.

Insgesamt waren so rund 170 Personen an dieser Erhebung beteiligt – mit 332 Vorschlägen, Einzelhinweisen bzw. Kritiken. Diese Ergebnisse wurde in einer Dokumentation zusammengefasst und veröffentlicht. Sie bildeten in gebündelter Form die inhaltliche Grundlage für die Onlinebeteiligung in der dritten Phase.

Die zweite Phase mit zahlreichen persönlichen Gesprächen bildete die von der Fachverwaltung organisierte Friedhofswoche mit zahlreichen Veranstaltungen, Besichtigungen und Führungen (Programm siehe PDF). In dieser Phase eingereichte bzw. von der Verwaltung protokollierten Anregungen wurden ebenfalls erfasst und flossen in die Gesamtdokumentation ein.

Die dritte Phase bildete die Onlinebeteiligung, die zeitlich vor der Friedhofswoche begann und erst nach ihr endete. Hier haben sich 124 NutzerInnen mit 139 Beiträgen bzw. 216 Kommentaren beteiligt. Insgesamt deckten sich die positiven wie kritischen Rückmeldungen mit den Ergebnissen, die schon in der ersten Phase erhoben worden waren. (Dokumentation der Online-Beteiligung im Mitwirkungsportal …)

Konzipiert, organisiert und durchgeführt wurde diese Phase vom Verwaltungsteil des Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung / Stadt Köln.

Schlussfolgerungen durch den Arbeitskreis Friedhof und öffentliche Präsentation

Die Gesamtdokumentation der Ergebnisse aller drei Phasen (PDF) bildete schließlich die Grundlage für die weitere Beratung durch den Arbeitskreis Friedhof.

Die Ergebnisse wurden am Montag, 30. September, vor rund hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Bürgerveranstaltung präsentiert – mit folgenden Grundtendenzen:

  • Die Friedhöfe sollen als Oasen der Ruhe erhalten und mit ihren Naturoasen noch mehr beachtet und geschützt werden.
  • Die vielfältigen Anregungen, freie Flächen für „ruhige Sportarten“ wie Tai chi, Yoga oder ähnliches zu nutzen, werden nicht aufgegriffen. Hier wurde die Befürchtung von Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen, die hier die Gefahr sahen, dass damit eine „Büchse der Pandora“ geöffnet würde und die Abgrenzung zu „lauten Sportarten“ schwer fallen würde.
  • Insbesondere die Trauerhallen sollen zukünftig außerhalb der Beerdigungszeiten mehr für Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, (Trauer-)Seminar u.a.m. genutzt werden können, die vom Charakter her im Einklang mit den Besonderheiten des Ortes Friedhof gestaltet werden.

Die Fragen und Diskussionsbeiträge der Veranstaltungsteilnehmerinnen und –teilnehmer lassen den Schluss zu, dass

  • im Beteiligungsverfahren sowohl die Anregungen für mögliche erweiterte Nutzungen als auch die sensiblen und kritischen Punkte hinreichend umfassend erhoben wurden;
  • das Verfahren bzw. die gewählte Vorgehensweise dem Anliegen angemessen und effizient war;
  • die Schlussfolgerungen des Arbeitskreises Friedhof auf eine praktische einhellige Zustimmung stießen.

In diese Richtung deutet auch eine schriftliche Rückmeldung, die wir von einem Teilnehmer am Beteiligungsverfahren erhalten haben:

„Aufgrund unserer gesellschaftlichen Veränderung empfand ich die Öffentlichkeitsbeteiligung für die ‚zukünftige Nutzung der Friedhöfe‘, die auch für mich ein Tabuthema waren, sehr positiv.
Alle Befragten Bürger/innen hatten die Möglichkeit sich ‚einzumischen‘.
Ob die Kölner Friedhöfe nicht nur zur Beisetzung, Erinnerungsstätte der Ruhe genutzt werden können, wird die Umsetzung der Vorschläge aus den Bürgerbeteiligungen und die Akzeptanz bei den Menschen und Kirche in der Zukunft zeigen.“
Erik Theis

Wie geht es weiter?

Die Schlüsse, die der Arbeitskreis Friedhof aus dem Beteiligungsverfahren gezogen hat, werden nun in sein im Entwurf vorliegendes Gesamtkonzept einfließen, das schließlich dem Ausschuss für Umwelt und Grün zur Beschlussfassung vorgelegt werden wird. Dies soll nach bisherigem Stand noch in diesem Jahr geschehen. (Sitzungstermine und Tagesordnungen des Ausschusses im Ratsinformationssystem …).

Auf dieser Grundlage werden dann nach und nach die 55 Kölner Friedhöfe konkret in Angriff genommen. Das heißt, dass für jeden Friedhof geprüft wird, welche der konzipierten Maßnahmen für diesen passend ist, ob dies im Rahmen der laufenden Arbeit auf dem Friedhof realisiert werden kann oder ob dies erst nach einer Beteiligung der NutzerInnen und Nachbarschaft geschehen kann.

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