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Was sagt Frank Schätzing zum Ehrenamt?

Frank Schätzing hat zum Kölner Ehrenamtstag am 1.9. im Rathaus eine großartige Rede gehalten, die er uns freundlicherweise zur Verfügung stellt:
Meine Damen und Herren,
wenn Sie die Begriffe Empathie, Hilfsbereitschaft, Respekt, Engagement, Nächstenliebe, Altruismus, Mitgefühl und Tatkraft in genau dieser Reihenfolge abkürzen, dann erhalten Sie ein neues Wort. Wissen Sie spontan, welches?
Genau: E.H.R.E.N.A.M.T.
Damit wäre eigentlich alles gesagt. Denn die acht Begriffe erklären, was ehrenamtliche Tätigkeit im Kern ausmacht und warum Ehrenämter unverzichtbar sind.
Sie zeigen aber auch, warum Ehrenämter immer wichtiger werden. Denn leider erleben wir gerade in Teilen der Gesellschaft eine regelrechte Renaissance unausrottbar negativer Eigenschaften, die in einem wohlhabenden und kultivierten Land wie unserem eigentlich keinen Platz mehr finden dürften, zum Beispiel:
Abgestumpftheit, Fremdenfeindlichkeit, Desinteresse … auch das können Sie spaßeshalber mal abkürzen.
Und wenn Sie sich aktuell in der Welt umschauen und sehen, wie Kaltherzigkeit und Egoismus mancherorts zur Staatsräson erklärt werden, dann muss man feststellen, es gibt noch einiges zu tun in Sachen Mitmenschlichkeit.
Und nun die gute Nachricht: Köln tut was! Jeder vierte Kölner – habe ich mir sagen lassen – übt irgendeine Form ehrenamtlicher Tätigkeit aus. Und da sehe ich in ihren Augen leuchten, was Ihnen auf der Zunge liegt zu sagen, nämlich: Dat jitt et nur in Kölle!
Und da haben Sie ganz Recht.
So viele Kölner in Ehrenämtern, dat jitt et wirklich nur in Kölle, denn in Düsseldorf sind das die Düsseldorfer, in Hamburg die Hamburger und in New York die New Yorker. Kurz, wir haben sie nicht erfunden, die Hilfsbereitschaft – aber wir könnten sie erfunden haben.
Denn feststellen darf man, dass längst nicht alle Städte ein solches Maß an ehrenamtlichem Engagement verzeichnen wie Köln. Irgendwie liegt es uns wohl im Naturell. „Die Hauptsach is, et Hätz is jot“ hat uns schon Toni Steingass in die kölsche Verfassung geschrieben, und daran halten sich hier etliche, mit immer neuen, oft verblüffenden Ideen, um das Leben in unserer Stadt lebenswerter zu machen.
„Arsch huh, Zäng useinander“ lautet die Handlungsanweisung eines anderen großen Kölners, des Wolfgang Niedecken, und wer wären wir, Wolfgangs Worte in den Wind zu schlagen.
Was ich dabei als äußerst angenehm empfinde, ist, dass Kölner Bürger Hilfsbereitschaft als selbstverständlich betrachten und wenig Aufhebens darum machen. Diese Kölner Unbeeindrucktheit habe ich schon einmal prägnant erfahren, 1998, als ich für meinen G8-Gipfelroman „Lautlos“ recherchierte und darüber mit einem Taxifahrer ins Gespräch kam. Ich fragte ihn, ob er nicht schwer beeindruckt sei, dass demnächst der Präsident der Vereinigten Staaten in Köln logieren werde. Er überlegte kurz und erwiderte staubtrocken: „Leeve Jung, mer han der Avstieg des FC verkraftet, mer weede och Clinton üverlevve“.
So ist das hier. Man sieht, wo Not am Mann ist, sagt „Wat ene Driss!“, packt an und will nix dafür haben, denn, weiteres Zitat eines großen Mannes: „Liebe und Mitgefühl sind Voraussetzungen, keine Luxusgüter. Ohne sie kann die Menschheit nicht überleben.“
Diese klugen Worte hat allerdings kein Kölner gesprochen, sondern der Dalai Lama. Woraufhin mein Taxifahrer sagen würde: „Dat künnt ävver ne Kölsche sin.“, denn immerhin war der Dalai Lama ja mal in Köln, und als er hier wegfuhr, da hat er das wahrscheinlich gesagt – so stricken wir uns hier unsere Legenden.
Ich jedenfalls freue mich, Köln in diesem Jahr als Ehrenamtspate repräsentieren zu dürfen, auch weil mir ehrenamtliches Engagement seit vielen Jahren persönlich sehr am Herzen liegt. Verleihen wir also die Ehrenamtspreise 2019, und auch, wenn nicht jeder, der nominiert war, heute einen Preis bekommt – verdient hätten ihn alle!

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