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Jetzt erst recht: Städtepartnerschaft mit Wolgograd!

Sehr bedauerlich, der Beschluss, der Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Städtepartnerschaft mit Wolgograd auszusetzen! Gerade jetzt brauchen wir Kontakte und Kooperationen zu friedliebenden Menschen in Russland. Nicht alle denken wie Putin. Und diese Menschen gilt es zu unterstützen. Die Kölner Freiwilligen Agentur pflegt seit langem eine Kooperation mit einer russischen Organisation, die junge Menschen zu einem internationalen Freiwilligendienst nach Köln vermittelt. Am Montag habe ich der russischen Koordinatorin ein Foto von der großen Friedensdemo in Köln geschickt. Sie antwortete, dass sie auch gern an einer Anti-Kriegs-Demo teilnehmen würde, sie könne sich aber noch nicht entschließen, dafür ins Gefängnis zu gehen. Die Frage, die sich mir hier stellt, lautet: Was können wir tun, um friedliebende Menschen in Russland zu unterstützen? Dafür müssen Kontakte nicht abgebrochen, sondern vertieft werden. Wer Städtepartnerschaften auf Schön-Wetter-Perioden beschränkt, hat den Sinn nicht ganz verstanden. Gerade wenn es schwierig wird, geht es doch darum, die Menschen und Organisationen in unseren Partnerstädten zu unterstützen und nicht den Kontakt abzubrechen. Das gilt für Kontakte zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Das gilt aber auch für den Kontakt von Stadtverwaltung zu Stadtverwaltung. Wieso nicht die Stadtverwaltung in Wolgograd öffentlichkeitswirksam fragen, was Köln tun kann, um Deserteure aus der russischen Armee zu unterstützen? Wenn dieses Anliegen dann empört zurückgewiesen wird, kann der Kontakt immer noch auf Eis gelegt werden. Warum nicht jetzt planen, bald nach einem Waffenstillstand in Wolgograd anzufragen, mit welcher ukrainischen Stadt sie denn die Städtepartnerschaft erweitern möchte. Zwecks Versöhnung und um trilaterale Begegnungen zwischen Jugendlichen oder Chören oder Feuerwehren zu planen. Das Beispiel Tel Aviv – Bethlehem – Köln könnte Schule machen. Wie in dieser Konstellation könnte es auch in der neuen Städtepartnerschaft zum guten Ton gehören, immer Gruppen aus beiden Städten, aus Wolgograd und aus der neuen ukrainischen Partnerstadt nach Köln einzuladen. Dabei müssen wir nicht stehen bleiben. Wenn wir als Kölner:innen wirklich etwas beitragen wollen zur internationalen Verständigung von unten, zur Demokratiebildung von Stadt zu Stadt, dann könnte es weitergehen mit einer trilateralen Städtepartnerschaft mit Isfahan (Iran) und Dschidda (Saudi Arabien). Weiteren spannenden und friedensstiftenden Partnerschaften sind keine Grenzen gesetzt. Ulla Eberhard